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Die Parschalk-Lederfibel
Lederpflege Tipps & Leder Herstellung

Lederpflege: So pflegen Sie Ihre Lederhose & Lederbekleidung richtig

Die Lederbekleidung ist wie eine zweite Haut. Sie hält warm, schützt vor Wind und Wasser, ist atmungsaktiv und obendrein noch unglaublich bequem. Damit Sie für viele Jahre Freude an Ihrer Lederhose bzw. Lederbekleidung haben, sollten Sie ihr regelmäßig etwas Lederpflege zukommen lassen. Zunächst gilt es zu verstehen, dass Leder natürliche Gegebenheiten wie beispielsweise Adern und Vernarbungen aufweist. Diese gehören einfach zum individuellen Look des Leders.

Wird Leder abgeschliffen, dann erhält es einen feinen und seidigen Charakter und verwandelt sich in Veloursleder. Dass besonders neue Kleidungsstücke aus Veloursleder fusseln, lässt sich nicht vermeiden. Diesen Abrieb können Sie aber ganz einfach von Haut und anderen Kleidungsstücken entfernen. Um diesem Effekt ein wenig entgegenzuwirken, sollten Sie das Veloursleder ganz fein mit Haarspray besprühen. Somit wird das „Abfusseln“ etwas reduziert. Bedenken Sie aber bitte, dass das Veloursleder erst durchs Tragen seine individuelle Patina erhält und die Lederhose somit zu Ihrem Unikat wird.

Leder weist zwar Wasser ab, doch nass wird es dennoch. In solchen Fällen lassen Sie Ihr Leder-Kleidungsstück bitte ganz langsam im Haus oder im Schatten trocknen. Trocknung auf der Heizung oder unter direkter Sonneneinstrahlung bewirkt, dass sich das Gerbfett im Leder verflüchtigt. Ihr Leder-Kleidungsstück wird steif und schrumpft.

Falls Ihr Leder-Kleidungsstück schmutzig ist, dann können Sie die beflecke Stelle vorsichtig reinigen. Nutzen Sie ein etwas angefeuchtetes Baumwolltuch und streifen Sie vorsichtig von oben nach unten über die verschmutzte Stelle. Achten Sie bitte darauf, dass Sie nicht zu stark reiben, um Fleckenbildung und/oder Narbenbeschädigungen zu vermeiden.

Unser Tipp: Testen Sie das Reinigen an einem nicht sichtbaren Teil der Lederhose. Wenn die Flecken nicht all zu groß sind, ist es besser diese zu lassen, da dadurch Ihre Lederhose immer schöner wird und sich ein Used-Look entwickelt. 

Vom Fell zur Lederhose ist es ein langer Weg ...

Was ist Leder?

Klar, die tierische Haut. Aber, wie entsteht das einzigartige Naturprodukt, das vor klimatischen Einflüssen schützt wie kein zweites Produkt? Es sind enorm viele Arbeitsschritte erforderlich, bis aus der tierischen Haut, Leder wird. Man unterscheidet je nach Größe des Tieres zwischen Groß- und Kleintierfellen. Rinder z.B. zählen zu den Großtieren, Schafe, Ziegen, Hirsche zu den Kleintieren.

Des Weiteren unterscheidet man nach:
– domestizierten Tieren, wiederum Schafen, Schweinen, Ziegen und nach
– Tiere, die in der freien Wildbahn leben, wie z. Rehen, Gämsen oder Hirschen

Schon diese generelle Unterscheidung macht sehr große Unterschiede in der Beschaffenheit der Tierhaut aus:
So weisen Wildtiere Heckenrisse, Verletzungsnarben und Kampfspuren sowie Spuren von Parasiten auf und sind zum Teil dünn und klapprig aufgrund unregelmäßiger Nahrungsaufnahme. Haustiere leben meist im Stall, in Gehegen oder bewegen sich in behüteten Herden und werden regelmäßig gefüttert, so dass die Haut weniger Verletzungen aufweist und kräftig ist.

Wie wird Leder hergestellt?
Die rohen Häute werden durch Salz konserviert und gelangen in den Gerbprozess wobei es aufgrund enormer Umweltauflagen in Deutschland und Europa nur noch wenige Gerbereien gibt, die jedoch alle nach dem höchsten Umweltstandard arbeiten. Zunächst wird festgelegt, ob man Fell oder Leder, also das enthaarte Fell, möchte. Man unterscheidet somit zwischen:

– Fell, also Leder bei dem die Haare nicht entfernt werden
– Nappaleder, auch als Glattleder bekannt wo die enthaarte, glatte Hautseite veredelt wird
– Veloursleder, bei dem die Haarseite abgeschliffen wird und die Fleischseite veredelt wird
– Nubukleder, bei dem die Haarseite angeschliffen wird und
– Spaltleder, wo dicke Felle in 2 oder 3 Schichten gespalten werden mit der Problematik der Faserstrukturbeschädigung der gewonnenen Spalte – insbesondere des Zwischenspaltes – und der Reißgefährdung.

Wir verarbeiten überwiegend die enthaarte Haut, wozu das zuvor zur Haltbarkeit gesalzene Fell („gepickelt“) im Walkfass gewaschen und geweicht wird, sowie zur Befreiung von Salz und Schmutz. Die Häute kommen dann zur Entfernung der Haare in den sogenannten Äscher in eine Lösung aus Kalk und Schwefelnatrium. Die Haare lösen sich, die Unterhaut lockert sich und kann dann mit den Fleischresten händisch abgeschabt werden. Danach werden sie gefalzt oder gespaltet um eine gleichmäßige Dicke zu erreichen. Die Prozesse bis hier sind sehr geruchsintensiv. Die so entstandene „gerbfertige Blösse“ kommt zur Gerbung ins Fass wo entweder das gängigste und kürzeste Gerbverfahren, die Chromgerbung, durchgeführt wird oder mit tierischen (zum Beispiel Fischtran) oder pflanzlichen Gerbstoffen wie Rindenextrakte von Akazien oder Kastanien sehr langwierig gegerbt wird. Übrigens gehen vegetabile (pflanzliche) und sämische Gerbverfahren (dies ist die Fettgerbung mit tierischen Stoffen wie Fischtran) auf die Steinzeit, ca. 8000 Jahre v. C., zurück.

Chromgerbung dauert wenige Tage, Sämischgerbung bis zu 6 Wochen. Das nun entstandene Chromleder wird auf eine einheitliche Dicke gebracht, je nach Verwendungszweck zwischen 0,6 bis 1,7 mm, neutralisiert (dies ist das Ausfällen des Chrom VI – Gerbstoffes in neutrales, ungiftiges Chrom III) wird mit Anilinfarbstoffen (vor)gefärbt und mit Fetten geschmeidig und wasserabweisend gemacht. Im Anschluss wird es im Walkfass gewaschen, das Spülwasser wird abgepresst, die Felle werden ausgereckt (gleichmäßiges Flachlegen) und dann hängend getrocknet. In der Stollmaschine werden sie geschmeidig gemacht und gehen dann in die Färbung wo die Hautoberfläche durch einen sehr dünnen oder kräftigen Farbauftrag egalisiert wird. Dies geschieht entweder von Hand durch Aufbürsten der Farbe oder maschinell mit einer Spritzpistole bzw. in der Spritzmaschine. Nun endlich kann das Leder gefinisht, also gebügelt, glanzgestoßen oder weiter veredelt werden mit Drucken, Lacken, Prägungen usw. Zuallerletzt wird es an den Fellrändern beschnitten, gemessen und nach der Qualität der Haut sortiert in Leder im Bekleidungssortiment, in B-Ware für kleinere Zuschnitt Teile oder in Ausschussware, die dann Verwendung findet bei Kleinartikeln wie Börsen.

Der Gerb- und Färbeprozess unterliegt strengen gesetzlichen Regelungen. International ist PCP (das früher übliche jedoch aufgrund neuerer Erkenntnisse gesundheitsschädliche Konservierungsmittel Pentachlorphenol) zur Konservierung verboten. In der AZO-Verbotsliste (AZO-Farbstoffe sind synthetische Farbstoffe) ist fest geregelt, welche synthetischen Farbstoffe nicht erlaubt sind. Die Einhaltung der Vorgaben und vieles darüber hinaus muss stets von einem akkreditierten Institut nachgewiesen werden. Ohne ein Werkszeugnis eines solchen Instituts gelangen die von uns eingekauften Leder nicht in den Umlauf. Wir bestätigen die unschädlichen chemischen und physikalischen Eigenschaften unserer Leder sowie die Humanökologie, also die Beziehung zwischen den Menschen und der Umwelt.